Freitag, 19. Mai 2017

Enthüllung / Geheimnis

en silberblauen Nebel verlassend, lausche ich den Maschinen. Wie verzerrtes Wolfsgeheul schallt es von den harten Schemen herüber. In kantiger Geschäftigkeit verrichten die Metallskulpturen ihren monotonen Dienst, in rauhem Dialekt gleichzeitig schaffend und zerstörend. Ein einsamer Vogel fleht im kalten Morgenduft. Er wird von zischenden Dampferuptionen verhöhnt.

oldene Schnallen gemächlicher Schuhe bewerfen mich mit Sonnenlicht. Der Würdenträger lange Purpurschleppen ziehen gravitätisch an mir vorbei, fließen durch die alten Straßen wie schweres Blut durch glatte Adern. Routine glänzt sanft auf runden Gesichtern. Ein Säugling jauchzt in den warmen Mittag hinein. Das Geläut der Glocken bestätigt sein Zeugnis.

Dienstag, 16. Mai 2017

Es ist mal wieder Zeit...

ie Augenfuttrigkeit dieses Blogs hat in den letzten Wochen - wenn nicht Monaten - doch irgendwie zu wünschen übrig gelassen. Dem wird nun massiv entgegengesteuert mit diesem Posting. Auf allen Bildern zu sehen ist Jusztinián György Kardinal Serédi, Erzbischof von Esztergom zwischen 1927 und 1945. Der Herr Kardinal schafft es, auf den meisten Bildern immer trefflich herausgeputzt daherzukommen. Er verstarb am 29. März 1945 an einem Herzinfarkt, an welchem die Nachricht über die Bombardierung und Zerstörung Budapests angeblich einen nicht geringen Anteil hatte.












Montag, 15. Mai 2017

Der Sohlenschänder

it dem neuen Stück wage ich mich zum ersten Mal so ein wenig auf den Dancefloor. Das Teil lag lange unfertig herum. Ich wußte nie so richtig, was ich damit anfangen sollte, fand es aber eigentlich immer recht cool. Heute morgen habe ich mich dann nochmal drangesetzt. Und plötzlich vollendete sich das Stück praktisch von selbst. Das Ergebnis ist schräg-jauchzendes, dumpf-dudelndes, krisp-klirrendes 128bpm-Gezappel und -Gestampfe. Das Stück heißt Glühwürmchen, und reinhören könnt Ihr wie üblich auf Soundcloud.

Mittwoch, 10. Mai 2017

Passt!

eine Ahnung, welcher wohlmeinende Internet-Geist heute für die Anordnung der Beiträge auf meiner facebook-Timeline verantwortlich ist. Aber das zweifelhafte Vergnügen, nacheinander diese beiden Artikel lesen zu dürfen, hat mir den Tagesbeginn gleichermaßen versüßt wie vermasselt.

Aus der ZEIT vom 26. Juli 2012:
    Beide von Deutschland geförderten Aktivitäten, die klandestinen und die öffentlichen, passen zusammen: Ob die Pläne der Oppositionellen für ein demokratisches Syrien umgesetzt werden können, hängt wesentlich davon ab, ob der wirtschaftliche Wiederaufbau allen Syrern Chancen bietet.

    Ob die Berliner Transformationskonzepte aber am Ende überhaupt zum Zuge kommen, hängt nicht zuletzt davon ab, wie viel Hass bis zu Assads erwartbarem Abgang zwischen den syrischen Oppositionsgruppen noch freigesetzt wird. Alle Beteiligten, heißt es, sind sich dessen bewusst.
Von katholisch.de vom 10. Mai 2017:
    Nicht wir Syrer haben diesen Krieg verursacht. Es sind Kräfte von außen, die dafür zahlen, dass Syrien zerstört und seine Menschen getötet werden. Vor dem Krieg haben Christen und Muslime in Syrien eng zusammengelebt, in gegenseitigem Respekt. Dann kamen Prediger aus Saudi-Arabien, Katar und der Türkei und haben gegen die Christen aufgewiegelt. Statt von Liebe und Frieden predigten sie Hass, entgegen dem Koran. Leider haben die Leute auf sie gehört. So waren wir nicht in Syrien vor dem Krieg. Mit dem wahren Islam lässt es sich gut zusammenleben, nicht aber mit dem neuen, falschen Islam Saudi-Arabiens, der alles tötet. Viele Muslime sind gegen diesen neuen Islam. Sie leiden mehr als wir, weil sie alles verloren haben. Und Europa wird seinen Preis zahlen.
Gespenstisch...

Montag, 8. Mai 2017

Summen

s ist nicht einfach, in dieser Zeit Priester zu sein. Letztkommunionempfänger, Kulturkatholiken und Christentumsbeender soweit das Auge reicht. Leere Kirchenbänke, leerere Ordenshäuser und leerste Seminare in Hülle und Fülle. Dazu eine Amtsträger- und Laien-Schar, die sich immer schön zu fetzen weiß und dabei häufig die Gewichtung nicht hinkriegt: Während in Ägypten die Christen den Mördern ihrer Angehörigen vergeben und für diese beten, wird im Westen darüber gestritten, ob diese oder jene Formulierung in diesem oder jenem Kommentarbereich "justiziabel" ist. A propos Kommentarbereich: Virtuell herrscht eine solche geistige Unbeweglichkeit, daß man sich mit den falschen Fragen oder den falschen Kommentaren schnell mal innerhalb weniger Stunden die Vorwürfe anhören darf, man sei viel zu Nazi UND viel zu Kommie (ein Problem, mit dem auch andere Leute zu kämpfen haben). Als Kirsche auf dem Sahnehäubchen erweisen sich die regelmäßigen Zwischenrufe diverser Theologen, die wieder einmal die Kirche neu erfinden, die Bibel neu deuten, den Glauben umschreiben und das Lehramt umlenken wollen. Darf ich mich denn überhaupt darüber aufregen, wenn ich einen Satz vorher noch die geistige Unbeweglichkeit angeprangert habe? Ja, wenn all diese Versuche, die Kirche "ins 21. Jahrhundert" oder "up to date" zu bringen, nicht nur regelmäßig stattfinden, sondern mittlerweile auch so gehäuft daherkommen, daß man die Beweglichkeit eigentlich nicht mehr erkennen kann. Ich meine, wenn man 440 mal pro Sekunde die Frauenweihe oder die Abschaffung des Zölibats oder das Aufbrechen verkrusteter Strukturen fordert, dann gibt's halt den Kammerton A, und der ist nicht bunt oder frech oder modern, sondern monoton und unbeweglich, hat aber den Vorteil, daß er weder zu tief noch zu hoch ist, so daß sehr, sehr, sehr, sehr viele Stimmen mitsummen können.

In der Schar der regelmäßigen Meßbesucher in Floridsdorf tauchen in den letzten Wochen und Monaten immer wieder und immer häufiger Familien mit ihren kleinen und kleinsten Kindern auf. Diese Familien kommen von überall her: Aus Osteuropa, aus Afrika, aus dem arabischen Raum und natürlich auch aus Österreich. Die Kinder sind während der Messe eher ungefesselt und machen auch mal durch Krähen, Heulen oder Plappern auf sich aufmerksam. Vor allem ein superwinziges, etwas über ein Jahr altes Mädel aus Afrika traut sich jeden Sonntag immer ein wenig näher an den Altar und den Herrn Pfarrer heran. In der Gemeinde sollen angeblich schon Wetten eingegangen sein, an welchem Sonntag im Kirchenjahr die Kleine mir zum ersten Mal am Talarsaum zupft. Die älteren Kinder, die schon ansatzweise verstehen können, worum es geht, sind vor allem bei den Lesungen mucksmäuschenstill, weil sie die Geschichten von Jesus in der Regel ziemlich interessant bis faszinierend finden. Wenn ich mir die mittlerweile nicht mehr total überalterte sondern ziemlich abwechslungsreiche Menge der Gläubigen ansehe, die da sonntags regelmäßig in den Kirchenbänken sitz oder um die Kirchenbänke herumläuft (die Kleinen), dann stimmt mit der Welt immer sehr, sehr vieles.

Ich weiß auch nicht genau, wie ich die Moral von der Geschichte formulieren will. Auf jeden Fall ist es so, daß mir das Summen der kleinen Kinder während der Messe sehr viel lieber ist als das Summen der zuvor erwähnten Kammerton-A-Erzeuger. Denn das erste Summen sorgt immer dafür, daß ich mich lebendig fühle und auch die Kirche als lebendig verstehe.

Montag, 1. Mai 2017

Extreme Leseempfehlung!

as Blog strudelfutz hat nur einen einzigen Nachteil: Dort wird einfach nicht oft genug veröffentlicht. Jetzt scheint die geschätzte Autorin allerdings in einen Rausch verfallen zu sein: Vier Beiträge in 10 Tagen hat es dort lange nicht mehr gegeben. Nutzt die Stunde, schaut mal vorbei und genießt Texte, die ebenso humorvoll wie persönlich, ebenso tief wie alltagsnah sind. Kann man nicht genug von kriegen!

Dienstag, 25. April 2017

Jetzt, wo der Frühling da ist...

s gibt neue Musik! Und da der Frühling sich jetzt auch (zumindest in Klosterneuburg) wettermäßig bemerkbar macht, ist erst einmal Schluß mit den eher herbstlich-dunklen Klängen. Dafür gibt es mal wieder klimpernd hüpfendes, sphärisch hauchendes, schamlos poppiges Mittwipp-Ohrenfutter, bei dem sich (gefälligst) gleich mal gute Laune breitmacht. Das gibt mir auch die Gelegenheit, eine neue Cover-Gestaltung auszuprobieren. Das Stück heißt Umlaufbahn und ist mit seinen etwas über drei Minuten im Grunde so schnell wieder weg, wie es da war. Reinhören könnt Ihr hier.

Sonntag, 9. April 2017

Ist das Internet doch besser, als ich dachte?

m vergangenen Wochenende geschah auf reddit etwas Erstaunliches: Die User bekamen eine riesige, leere Fläche mit dem Namen Place zur Verfügung gestellt. Sie durften nun diese Fläche mit Pixeln füllen. Zur Auswahl standen 16 Farben. Jeder User durfte über den Verlauf des Experiments (Dauer: 72 Stunden) beliebig viele Pixel setzen, mußte aber nach jedem Pixel einige Minuten warten, bevor er das nächste Pixel setzen konnte.

Was sich dann an Spontaneität, Gruppenbildung, Ideenfindung, Absprachen, Planung, Aufbau, Zerstörung, Krieg, Versöhnung, Albernheit und Ernsthaftigkeit abspielte und zu welchem Ergebnis es führte, das läßt mich schon ziemich staunen. Sind wir doch besser, als man annehmen sollte? Wenn ich mir überlege, daß die Aktivitäten auf Place im Grunde in einem rechtsfreien Raum stattfanden, dann finde ich es nicht nur erstaunlich, sondern eigentlich auch beruhigend und großartig, daß sich nicht die phantasielosen Zerstörer, die kruden Kriegsführer und die ewig in Grundschul-Lautstärke kichernden Pimmel-Maler durchgesetzt haben, sondern daß am Ende tatsächlich so etwas zustande gekommen ist wie ein Gesamtkunstwerk, an dem Leute aus allen Enden und Ecken der Erde beteiligt waren.

Die ganze Geschichte ist faszinierend. Lesen könnt Ihr sie hier (inkl. vieler Zeitraffer-gifs).

Und hier ist das Endergebnis (in einer ziemlich großen Bilddatei):

Samstag, 8. April 2017

Stiller

anche Leser - vor allem auch aus der Gruppe jener, die schon seit am römsten-Zeiten dabei sind - fragen sich bzw mich, warum hier eigentlich nicht mehr so kommentiert wird, wie früher.

Dafür gibt es eine ziemlich einfache Antwort: Mir ist im Moment überall viel zu viel starre Gesinnung und ausgehöhlte Symbolik. Addiert man dazu eine immer irgendwie sprungbereit zu sein scheinende Aggressivität und das Unvermögen, gleiche Phänomene auch - unabhängig von ihrer Ansiedlung - gleich zu behandeln, dann schaffe ich es einfach nicht, die nötige Lust und Energie aufzubringen.

Sowohl im Internet als auch in der Welt, in der die Dinge tatsächlich stattfinden, gibt es ungefähr eine Gazontilliarde von Bescheidwissern, Erklärbären, Anschmiegern, Abstoßern, Mittelwegfindern, Tobsüchtigen, Kuschelflötern, Aufhetzern, Beschwichtigern und Abwägern. Ich bin mir ziemlich sicher, daß sich irgendwo eine solide Begründung versteckt, die mich ermutigen könnte, in dieser Kakophonie meiner Stimme Gehör zu verleihen. Aber momentan versteckt sie sich einfach zu gut.

Also werde ich erst einmal auf diesem Blog nur das tun, was ich tun will und nicht das, was möglicherweise einige von mir erwarten.

Dienstag, 4. April 2017

Ein morgendlicher Spaziergang...

at mich zu diesem neuen Stück angeregt. Es ist ein wenig anders als der Kram, den ich bisher veröffentlicht habe, irgendwie akustischer, luftiger oder so. Zudem ist es - wie ich finde - ultra-entspannend. Also hört mal hinein. Das Stück heißt "Frühes Licht in weiten Räumen" und ich hoffe, daß es auch ein wenig danach klingt, denn dann hätte ich meine Absicht auch in die Tat umgesetzt. Reinhören könnt Ihr wie üblich bei Soundcloud unter diesem Link.