Samstag, 12. August 2017

Lothar Franz von Schönborn in weiteren Häppchen (I)

Nachdem ich die Serie über den vom bauwurmb befallenen Erzkanzler, Kurfürsten, Erzbischof und Fürstbischof im November 2014 mit einigen persönlichen Bemerkungen eigentlich abgeschlossen hatte, stieß ich nun im Rahmen eines erneuten Studierens meiner Schönborn- und Bamberg-Literatur auf weitere Schnipsel, die ich interessant und aussagekräftig genug finde, um ihr Teilen auf diesen Seiten zu rechtfertigen. Los geht's...

it der Planung der Würzburger Residenz erlebte dieser Künstlerhof des Kurfürsten Lothar Franz nach den Tagen des Pommersfeldener Schloßbaus seine größte Zeit. In Gegenwart des Vizekanzlers* empfängt Lothar Franz hier im Schlosse 1719 aus der Hand Balthasar Neumanns die ersten Pläne zur Würzburger Residenz. Das Urteil des Kurfürsten über Neumann wirft ein glänzendes Licht auf seine treffsichere Menschenkenntnis; es ist kein Zweifel, daß er mit dem Lob über dessen gute Eigenschaften und der angelegentlichen Empfehlung an seinen Neffen Johann Philipp Franz, dem jungen, noch unbekannten Genie den größten Dienst erwiesen hat; auch Friedrich Karl schließt sich dem Urteil an, und so ist der Oktobertag von 1719, da Neumann im Schloß Pommersfelden erstmals vor den größten Bauherren Frankens trat, und vor ihm bestehen konnte, für ihn und die deutsche Kunst von großer Bedeutung geworden.

Von jetzt ab gehen auf ein Jahr mehr als hundert Briefe zwischen Würzburg, Mainz und Wien über die Residenzplanung hin und her; Erthal, Welsch und Rotenhan reisen öfters zwischen Würzburg und Mainz und müssen bei Erklärung der kurfürstlichen Gedanken und Meinungen, wie Lothar Franz dem Neffen in Wien unwillig berichtet, oft "vor Ärger Blut schwitzen". Als dann noch Hildebrandts Entwürfe aus Wien eintreffen, schickt der Kurfürst seine "Bauamanuensen" wieder vor und verfolgt den Ausgang des Ringens zwischen Wien, Mainz und Würzburg mit der Spannung, die etwa ein Feldherr dem Ausgang einer Schlacht zuwendet.

[Aus Max H. von Freeden, Kunst und Künstler am Hofe des Kurfürsten Lothar Franz von Schönborn, Mainfränkische hefte, Heft 3, Freunde mainfränkischer Kunst und Geschichte e.v., Würzburg (Hrsg.), Buchdruckerei Karl Hart, Volkach, 1949]
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*Neffe Friedrich Karl, von 1705 bis 1731 Reichsvizekanzler in Wien

Balthasar Neumann, gemalt von Giovanni Battista Tiepolo, Deckenfresko im Treppenhaus der Würzburger Residenz

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